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Mein Roman "Ein Bett in Cornwall" ist als eBook in den Online-Buchshops erhältlich.
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Sonntag, 9. April 2017

Mein schlimmster schönster Sommer von Stefanie Gregg

Titel: Mein schlimmster schönster Sommer
Autorin: Stefanie Gregg
Verlag: aufbau Taschenbuch (atb)
Seitenzahl: 288
ISBN Taschenbuch: 978-3-7466-3321-3



Cover
Ein tolles Cover, das genau so bunt daher kommt wie Isabels Roadtrip. In der Buchhandlung ist mir allerdings aufgefallen, das einige Buch-Covers zurzeit den Streifenlook zieren. Ob dieser Look bei den anderen Titeln auch so passend ist, weiss ich nicht. Aber hier stehen für mich die Streifen auch ein bisschen für die Strassen auf denen Isabel und Rasso unterwegs sind. Mir gefällt's.


Klapptext des Buches: 
Als Isabel aus dem Krankenhaus entlassen wird, weiss sie, dass nichts mehr ist, wie es war. Zum ersten Mal ist sie spontan: Sie kauft einen VW-Bus und fährt einfach los. Eigentlich will sie in die Provence, aber dann kommt alles anders. Eine Reise beginnt, bei der sie Menschen trifft, denen sie sonst nie begegnet wäre, bei der sie ihr altes Leben loslässt und ein neues anfängt - und vor allem eines findet: die Liebe.





Wie hat mir das Buch gefallen?
Die Autorin wirft einem in ihrer Geschichte gleich ins kalte Wasser. Da wird nicht sanft um den heissen Brei herumgeredet - nein, die Krankheit wird einem gleich Mitten an den Kopf geschleudert. Schonungslos, so wie Isabel eben auch schonungslos damit konfrontiert wurde. Begriffe wie Männerfaustgross machen dem Leser klar, hier geht es um was Grosses, Brutales, Gewaltiges. Ich glaub, an Isabels Stelle hätte ich wohl auch versucht dem zu entfliehen und sei es nur für zwei Wochen. Was sie dann auf der Fahrt alles erlebt, lässt einem oftmals die Krankheit vergessen. Man lacht und heult mit Isabel und wünscht ihr so von Herzen einfach alles Glück dieser Welt, damit sie vielleicht doch noch mal dem Tod von der Schippe springen kann. Stefanie Gregg lässt die Leserinnen und Leser die Höhenflüge, Träume und Ängste von Isa rasant miterleben. Manchmal wünschte ich mir ein bisschen ein längeres Verweilen bei einzelnen Episoden, einfach weil es mir darin so gut gefiel und ich vielleicht noch etwas mehr von den Personen hätte erfahren wollen, vor allem von Piet, aber auch dem Waldschrot oder dem Jesus. Ich werde jetzt aber einen Teufel tun und hier das Ende verraten, das soll gefälligst jeder selber lesen *schmunzel*. Nur eines sei gesagt: Im letzten Viertel der Geschichte hatte ich ständig einen dicken Kloss in der Kehle, einfach weil die Geschichte sehr berührend geschrieben ist. Es geht zu Herzen, bewegt und lässt einem nicht los, auch wenn man das Buch für einen Moment zur Seite legt. Ich denke nicht, dass der Roadtrip Isabels Leben verändert hat, es war die Krankheit, die sie erkennen lies, dass ihr bisheriges Leben nicht das war, was sie wirklich wollte. Die Krankheit liess sie Dinge tun, die sie ansonsten nie getan hätte. Es stimmt mich nachdenklich, dass die meisten von uns so eingespannt sind, dass wir oftmals keine Zeit haben, das Leben einfach nur zu leben. Wir stecken in Zwängen fest, in Fremdbestimmungen, die wir erst bekämpfen, wenn die Zeit knapp wird. Und doch geht es ja kaum anders, denn von Luft und Liebe kann man ja leider nicht leben. Wie immer ist es wohl der gesunde Mittelweg, den man anstreben sollte. Huch, was werde ich jetzt so philosophisch :o) ...

Mein persönliches Highlight?
Wie Isabel mit Piet "Über dem Himmel von Berlin" erlebt. Einfach nur schön.

Wem würde ich das Buch empfehlen?
Allen, die kein Kitschbuch erwarten, die einen rasanten Road Trip mögen und eine gut erzählte Geschichte lieben. Ihr werdet nicht enttäuscht werden.



Mittwoch, 13. April 2016

Das Geheimnis der Muschelprinzessin



Bildquelle: Amazon

Titel: Das Geheimnis der Muschelprinzessin
Autor: Christine Jaeggi
Verlag: Forever
Seitenzahl: 418
ISBN Taschenbuch: 978-1530339747
ASIN (eBook): B01CGBCDZ0


Cover
Wunder, wunderschön. Wer stünde nicht ebenfalls gerne an diesem Strand. Ja, ich hätte im Bücherregal nach diesem Roman gegriffen. Nachdem ich die Geschichte nun aber gelesen habe, finde ich das Cover allerdings nicht ganz passend. Der Roman spielt hauptsächlich in Zürich und in der Bretagne, da kommt mir nicht gerade ein solcher Strand oder so ein leichtes Kleidchen in den Sinn. Aber wie gesagt, es ist trotzdem traumhaft schön.


Klapptext des Buches
Die 27-jährige Nora ist am Ende: Sie hat kein Geld, keine Wohnung und auch keine Freunde mehr. Als sie dann noch ihren Job verliert, bricht sie auf der Straße zusammen und findet sich in den Armen von Estelle Le Bloch wieder. Die ältere Dame macht ihr überraschend ein Angebot: Nora soll als Empfangsdame in einem Zürcher Luxushotel neu beginnen. Alles scheint sich zum Guten zu wenden, bis plötzlich der Hotelbesitzer, Estelles Mann, ermordet aufgefunden wird. Der Grund für das Verbrechen soll angeblich eine goldene Muschel aus der Römerzeit sein. Gemeinsam mit dem charismatischen Journalisten David Preston beginnt Nora eher unfreiwillig zu ermitteln und kommt dabei einem alten Familiengeheimnis der Le Blochs auf die Spur. Während Nora herauszufinden versucht, was vor vielen Jahren in der Bretagne wirklich geschah, holen sie die düsteren Ereignisse aus ihrer eigenen Vergangenheit wieder ein …

Wie hat mir das Buch gefallen?
Obwohl ich keine Krimi-Leserin bin, hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Christine Jaeggi hat einen wunderbar bildlichen Schreibstil, der mich Mitten ins Geschehen hineinzog. Natürlich hat mich das Buch wohl gerade auch deswegen fasziniert, weil ich die Schauplätze ein wenig kenne. So was finde ich immer super. Ich sah Nora förmlich vor mir wie sie durch Zürichs Strassen ging und auch die leicht versnobte Gartenparty der sogn. besseren Gesellschaft konnte ich mir sehr gut vorstellen. Herrlich auch die Beschreibung der Charaktere, da haben mich vor allem Estelle und Henry angesprochen. Mit dem Max wurde ich nicht so richtig warm, obwohl er ja sehr Tierlieb und auch noch Vegetarier war. Hihi, wann wurde je ein Held als Vegetarier beschrieben... genial, es wurde Zeit! Mit dem David hätte wohl noch so manche Frau gerne ein paar Hotelzimmer durchstöbert, um dem Verbrechen auf die Spur zukommen. Wunderbar verschroben war die Perla Green... ich meine, wie kommt man nur schon auf so einen ausgefallenen Vornamen?! Toll! Und genau so seltsam bunt wie ihr Name, kam auch dieser Charakter daher. Ich mochte diesen seltsamen Paradiesvogel ... bis zu einem gewissen Moment...
Das Buch beinhaltet eigentlich zwei Geschichten, die perfekt in einander verwoben wurden. Zum einen die Geschichte, um den Mord von Estelles Mann und zum anderen die Geschichte der Muschelprinzessin in der Bretagne. *Grins* Ich hätte der Schreiberin gerne mal zwischendurch auf die Finger gekloppt, als die ihrer Figur kurz vor der Auflösung der Geschichte der Muschelprinzessin wieder sagen liess: "Aber das erzähle ich Dir ein anderes Mal." Ich wollte es nämlich jetzt einfach wissen! Jawohl! Und das ist ja das fiese bei eBooks: Man kann schlecht nach hinten blättern und schon mal lesen wie's ausgeht, ohne danach wieder mühsam zurückblättern zu müssen (zumindest habe ich den Trick noch nicht raus). Von daher sind wohl eBooks genau das richtige Mittel, damit man sich in Geduld üben lernt. Aber zurück zum Buch, bestimmt wollen Sie wissen, wer nun der Täter war, aber das verrate ich hier natürlich nicht. Nur so viel: Ich hätte es nicht erwartet. Christine Jaeggi ist es geglückt absolut keine Langeweile im Buch aufkommen zu lassen. Sie verstand es, die Spannung stetig zu steigern, und immer wenn ich dachte, jetzt weiss ich, wer der Mörder ist, liess sie ihn sozusagen wieder entwischen. Ich habe mitgelitten, mitgelacht und mich am Ende mitgefreut, was will man mehr von einem Buch?



Mein persönliches Highlight?

Die Szene als Nora geschnappt und eingesperrt wurde... Mitten unter Puppen. Wuuuuargh, wie gruselig ist das denn?! Ja, ich geb's zu, so starr vor sich hinblickende Puppen sind furchteinflössend. Herrlich fand ich auch, wie Perla Green Nora mal unter ihre Fittiche nahm und in ein Modegeschäft schleppte.


Wem würde ich das Buch empfehlen?

Menschen, die gerne einen Krimi lesen, der mit einem Touch Romantik verbunden ist. Wer Zürich ein bisschen kennt, dem wird dieses Buch bestimmt auch grossen Spass bereiten... das Kopfkino funktioniert gleich noch ein bisschen schwungvoller, wenn man sich die Schauplätze vor Augen führen kann. Wer Lust auf den Roman bekommen hat, findet hier auch eine Leseprobe.


Übrigens "Das Geheimnis der Muschelprinzessin" ist der zweite Roman von Christine Jaeggi - einer Autorin aus Luzern. Bereits ihr erster Roman "Fatale Schönheit" erhielt den e-ditio Independent Publishing Award. Ich hoffe, Christine ist bereits wieder am Schreiben, damit wir bald neuen Lesestoff erhalten.


Man liest sich
 Eure Alex

Freitag, 24. Juli 2015

Ich wollte immer nur Dich

 Heute habe ich einen besonderen Leckerbissen für Euch: einen Gastbeitrag von Anne Wiegner, Autorin des Buches Ich wollte immer nur dich. Ja, Anne zaudert nicht, sie schaut dem Drachen direkt ins Maul. Aber nun überlasse ich ihr das Wort:

Titel: Ich wollte immer nur dich

Autor: Anne Wiegner

Verlag: Forever Ullstein

Seitenzahl: 430 Seiten

ASIN: B00TYKAC9G 

ISBN: 978-3-95818-035-2 

Erhältlich: als ebook in allen Online Büchershops



Fotoquelle: Thalia

Klappentext:
Johannas Leben ist zum Stillstand gekommen: Job, Familie, Beziehung – alles Routine, keine Höhen, keine Tiefen, nur glattpoliertes Gleichmaß. Sie ist Mitte vierzig, abgeklärt und hält Träumen für reine Zeitverschwendung. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Ihr Mann verlässt sie und sie macht sich auf die Suche nach ihrer Jugendliebe, dem charismatischen Paul, der bereits vor zwanzig Jahren ihr Leben gründlich durcheinander gewirbelt hat. Schon bei ihrem ersten Treffen ist alles wieder da: dieser unerklärliche Zauber der Studententage, die Anziehung, das Verlangen. Kopfüber stürzt sich Johanna in ein leidenschaftliches Abenteuer, in dem sie nachholt, was sie in den Jahren ihrer Ehe versäumt hat.
„Alte Liebe rostet nicht“, sagt Paul lachend.
„Das klingt nach Happy End“, antwortet Johanna.
Vor lauter Glück merkt sie nicht, dass Paul ein Mann voller Geheimnisse ist und trifft eine folgenschwere Entscheidung …

Ein gefühlvoller Roman, der unaufhaltsam auf den Abgrund der Liebe zusteuert.


Feedback der Leserinnen:

Elektrisierender Titel, der auch inhaltlich hält, was er verspricht!
Leselady

Anne Wiegners Debütroman ist so ganz anders als man beim Anblick des Covers und beim Lesen des Titels erwartet. Es ist ein faszinierender zeitgenössischer Roman über eine Frau in den besten Jahren, die gerade eine Trennung hinter sich hat und neu verliebt, die aber auch erfahren muss, dass Liebe zwar nicht blind, aber doch ein wenig kurzsichtig macht.
Susanne

Johannas Abenteuer rund um die Liebe und das Finden zu sich selbst war ein Auf und Ab der Gefühle. Überraschende Handlungen, Spannung, Freundschaften und Intrigen – dieser Roman vereint all diese Punkte in einem flüssigen Schreibstil ...
Christina

Die Autorin Anne Wiegner hat es geschafft, mich ab der ersten Seite in den Bann der Geschichte zu ziehen. Mit jeder Seite habe ich mit Johanna gefühlt, geliebt, gewütet, gehofft und kapituliert. Es war mir kaum möglich, das 339 Seiten umfassende Ebook aus den Händen zu legen. Eine wirklich fesselnde Geschichte darüber, wie das Leben einem spielt ...
Sandra


Mitmach-Projekt:
Und wenn ihr den Roman gelesen habt und euch dann fragt: Soll´s das jetzt gewesen sein?, dann seid ihr herzlich eingeladen, mit der Autorin und anderen Leserinnen gemeinsam weitere Pläne zu schmieden und einen Fortsetzungsroman zu schreiben.
Wer Lust hat mitzumachen, schaut am besten auf der Homepage von Anne Wiegner vorbei: www.annewiegner.de.

Leseprobe:
Schon beim Aussteigen hörte ich das quietschende Lachen, die anspornenden Zurufe, das quirlige Getobe, das die ganze Gegend erfüllte und eindeutig aus unserem Garten stammte. Ich atmete tief durch. Jetzt, so kurz vor den großen Ferien, waren meine Nerven zum Zerreißen gespannt und ich konnte den fröhlichen Kinderlärm nur schwer ertragen. Ich musste meine Reizbarkeit bewusst in Ketten legen, um die Ungerechtigkeiten meinen eigenen Kindern gegenüber in Grenzen zu halten.
Langsam öffnete ich das Tor, durchschritt den Vorgarten, stieg die Stufen zur Haustür hinauf und sagte mir bei jedem Schritt, dass sich alles im grünen Bereich bewege, ich ruhig und gelassen sein könne, spielende Kinder fielen nicht unter die Lärmschutzverordnung. Doch als ich die Haustür öffnete, traf mich fast der Schlag: Socken, Trinkflaschen, Röcke, Handtücher, Decken, kurze Hosen und Shirts, Verpackungsreste von Süßigkeiten und Badelatschen bildeten eine Straße der Verwüstung, die sich vom Eingang quer durch das Wohnzimmer bis hin zur Terrassentür erstreckte. Im Gegenzug bewegten sich nasse Fußabdrücke in Richtung Toilette, vermischt mit den Resten des frisch gemähten Rasens, und die Erdspuren dazwischen kündeten davon, dass die Kinder mehrfach die Abkürzung durch die Beete genommen hatten.
Warum spielten alle Nachbarskinder immer bei uns?
Ich trat hinaus auf die Terrasse und hielt die Hand schützend über die Augen. Alle Gartenmöbel waren aus dem Schuppen herausgezerrt und auf dem Terrain verteilt worden. In der Mitte der Rasenfläche stand unser aufblasbares Planschbecken, für das meine Mädchen eigentlich schon zu groß waren, aber bei dieser Hitze war ihnen jede Abkühlung recht. Sechs Kinder fegten durch den Garten und veranstalteten einen Lärm wie eine ganze Schulklasse. Der Reihe nach nahmen sie Anlauf, sprangen quiekend in die Wasserpfütze, die nach allen Seiten spritzte, und kommentierten lauthals jede ihrer Aktionen.
Johanna, bleib ruhig, sagte ich mir, da ihre Kinder alle hier sind, können sich die Nachbarn auch nicht beschweren, und wenn sie nachher wieder weg sind, verschwindet mit ihnen auch das Chaos.
Ich atmete tief durch und rief:„Der Eismann ist da!“, in die tobende Menge hinein.
Mit einem ohrenbetäubenden Indianergeheul stürmten die Kinder auf mich zu, umzingelten mich, und ich überließ ihnen kampflos die Beute.
„Danke, Mama, du bist die Beste!“ Lisa schlang ihre Arme um meine Hüfte und schmiegte sich kurz an mich, um gleich darauf den anderen hinterherzujagen und sich auf ihr Lieblingseis zu stürzen.
Während die Kinder ihre Erfrischung löffelten, setzte für einen Moment Ruhe ein. Ich ging zum Kirschbaum, an dem die hellroten Früchte eine reiche Ernte versprachen, streckte mich im Liegestuhl aus, der in seinem Schatten stand, und schloss die Augen.
Ich war jetzt zweiundvierzig, hatte einen Beruf, der mich mehr als ausfüllte, zwei Töchter, von denen die eine in der Pubertät und die andere mal wieder in einer Trotzphase steckte und …
keinen Mann mehr. Er hatte mich im Frühjahr verlassen. Nach zwanzig Jahren Ehe hatte er sich eine Jüngere gesucht. Schweigend hatte er eines Tages zwei Reisetaschen gepackt und ebenso schweigend seinen zwei Prinzessinnen einen Kuss gegeben, ganz so, als ob er zu einer seiner ungezählten Dienstreisen aufbrach.
„Bringst du uns was Schönes mit?“, hatten sie arglos gefragt.
Für einen Moment wurde sein Blick leer, aber dann versprach er es: „Immer. Wohin ich auch gehe.“
Für mich hatte er keinen Blick mehr übrig gehabt, zu viele waren in den letzten Jahren zwischen uns hin- und hergewandert, hatten zu Missverständnissen geführt oder erst gar keine Erwiderung gefunden. Wir wussten beide, dass sich unsere Wege trennen mussten, wenn wir nicht in der Eiseskälte unserer Beziehung erfrieren wollten. „Bis dass der Tod euch scheidet.“ - Ich hatte es vor aller Welt versprochen und hätte nie den Mut gefunden, diesen Bund zu lösen. Aber Karen hatte gesagt: „Sei froh, jetzt kannst du dein Leben noch einmal neu beginnen.“
Und tatsächlich war ich am Anfang erleichtert gewesen, konnte freier atmen und empfand so etwas wie einen inneren Frieden, aber zunehmend fühlte sich unsere Trennung wie eine Niederlage an, wie eine Kapitulation vor den Problemen, und unversehens schlug die Ruhe in Stille um, in Angst vor dem Stillstand.
„Das war lecker.“ Lisa drückte mir einen Kuss auf die Wange und langsam kamen die Kinder wieder auf Touren. Ich musste diesen Abenteuerspielplatz so schnell wie möglich verlassen, sonst würde mir noch der Kopf zerspringen. Eilig sammelte ich die leeren Eisbecher vom Rasen, überzeugte mich mit einem Rundumblick, dass nichts das Spiel der Kinder gefährden konnte, und zog mich ins Haus zurück.
Einen kurzen Augenblick lang überlegte ich, wo der Karton mit Pauls Liebesbriefen hingekommen sein könnte, verwarf aber sofort wieder die Idee, danach zu suchen.
*
Als ich am nächsten Morgen unseren Pausenraum betrat, hängte Karen gerade ihre Jacke in den Garderobenschrank. Wir hatten beide zusammen in Dresden studiert, uns vier Jahre lang ein Zimmer und alle Geheimnisse geteilt, waren zu den Höhen pädagogischer Weisheiten hinauf- und in die Niederungen des Dresdner Nachtlebens hinabgestiegen. Uns gab es nur im Doppelpack: Karen, die Ruhige, Besonnene, die mit ihren großen braunen Augen sanft in die Welt blickte und deren Gedanken sich nie ganz ergründen ließen. Und ich, Johanna, die Laute, Quirlige, die ihr Herz auf der Zunge trug, naiv und vertrauensselig, neugierig und lebenshungrig.
„Guten Morgen, Hanna“, begrüßte mich Karen und musterte mich aufmerksam, als wolle sie prüfen, in welcher Stimmung ich mich befand, ehe sie hinzufügte, dass es ihr leidtäte.
„Was?“ Obwohl ich wusste, was sie meinte, wollte ich nicht zugeben, dass auch ich seit gestern an nichts anderes mehr gedacht hatte.
„Dass ich Paul erwähnt habe.“
„Warum hast du es dann getan?“
Karen löste sich vom Schrank, öffnete ihre Schultasche und wühlte darin herum, als stecke die Antwort zwischen den Heften und Büchern. Sie sah müde aus und ich hatte das Gefühl, dass sich ihre Stirnfalte über der Nasenwurzel heute etwas tiefer kerbte als sonst.
„Karen?“
Sie richtete sich auf und sah mich an: „Ich weiß, es war ein Fehler, aber ich war selbst so überrascht.“
Mit einem Schwung wurde die Tür aufgestoßen und ich musste einen Schritt beiseite springen, um nicht gerammt zu werden. Hans blieb abrupt im Türrahmen stehen und ließ aufmerksam seine Augen zwischen Karen und mir hin- und herwandern: „Hey, Mädels, was ist los? Ihr belauert euch wie Stubenkatzen, die eine Okkupation ihres Reviers befürchten. Gibt es ein Problem?“
Hans war mein Lieblingskollege, immer gut gelaunt, obwohl ihn nur noch zwei Jahre vom Ruhestand trennten, immer kollegial und verständnisvoll, obwohl er unser Fachbereichsleiter war, immer in Jeans und Turnschuhen, obwohl ihn sein Sohn bereits zum Großvater gemacht hatte. Sein graues Haar trug er für meinen Geschmack etwas zu lang, manchmal band er es sogar zu einem kleinen Zopf zusammen – er war eben ein echter 68er.
Ich warf Karen einen fragenden Blick zu. Sie deutete ein leichtes Kopfschütteln an.
„Frauenprobleme, Midlife-Crisis“, wich ich aus und verdrehte dabei die Augen, um selbstironisch zu wirken. „Das willst du gar nicht wissen.“
Hans warf belustigt seine Aktentasche auf den Tisch: „Nee, ich bin froh, dass meine Frau das schon alles hinter sich hat. Es war schrecklich.“
Zufrieden mit meinem Ablenkungsmanöver schichtete ich meine Unterlagen, die ich für die erste Stunde brauchte, zu einem Stapel auf und drückte sie mir an die Brust. Karen hängte sich ihre Tasche um und wir steuerten beide gleichzeitig auf die Tür zu.
„Lass uns in der Mittagspause einen Kaffee trinken gehen“, flüsterte sie mir im Hinausgehen zu und warf einen Blick zurück auf Hans, der völlig arglos Pinsel, Farben und Papiere zusammenstellte.
*


Danke, Anne, dass Du im Buechkafi zu Gast warst und ich bin schon sehr gespannt auf Deinen nächsten Roman.

Alles Liebe!
Alex



Sonntag, 9. November 2014

Weit weg und ganz nah - Jojo Moyes

Titel: Weit weg und ganz nah ( Originaltitel: The One plus One)
Autor: Jojo Moyes
Verlag: rowohlt polaris
Seitenzahl: 508
ISBN:978-3-499-26736-9
Erhältlich: praktisch in allen Buchläden und Online Büchershops

Cover

Wie auch schon bei "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes hat mir die Schlichtheit des Covers gefallen. Es ist einfach gestaltet und irgendwie trotzdem romantisch.

Klapptext des Buches

... dein Mann hat sich aus dem Staub gemacht, Du schaffst es kaum, deine Familie über Wasser zu halten. Deine hochbegabte Tochter bekommt eine einmalige Chance. Und du bist zu arm, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Plötzlich liegt da ein Bündel Geldscheine. Du weisst, dass es falsch ist. Aber auf einen Schlag wäre dein Leben so viel einfacher ...


Und einmal angenommen, du strandest mitten in der Nacht mit deinen Kindern am Strassenrand  - und genau der Mann, dem das Geld gehört, bietet an, euch mitzunehmen. Würdest du einsteigen? Würdest du ihm irgendwann während eures verrückten Roadtrips gestehen, was du getan hast?

Und kann das gutgehen, wenn du dich ausgerechnet in diesen Mann verliebst?



Wie hat mir das Buch gefallen?

Hmm, dieses Mal ist's nicht so einfach diese Frage zu beantworten. Kurz bevor ich diese Geschichte gelesen habe, habe ich "Ein ganzes halbes Jahr" von der gleichen Autorin gelesen und war hin und weg gewesen. In "Weit weg und ganz nah" konnte ich mich irgendwie nicht so richtig in die Geschichte hineinfühlen. Das lag aber überhaupt nicht am Schreibstil der Autorin, der mir nach wie vor sehr gut gefällt. Auch dieses Mal wurde die Geschichte immer aus verschiedenen Sichtweisen geschildert, einmal berichtet Jess, dann wieder Ed, dann Tanzie etc.... das hatte mir im ersten Buch noch gefallen, aber hier fand ich die Wechsel irgendwie zu häufig. In der Geschichte selbst haben mich ein paar Punkte gestört, die für mich nicht schlüssig waren oder nicht nachvollziehbar. Ich fand es völlig nachvollziehbar, dass Jess in der Situation, in der sie gesteckt hatte, das Geld an sich genommen hatte. Nicht nachvollziehbar war für mich, dass Ed deswegen gleich ein Schlussstrich gezogen hat, nachdem er Jess kennen und lieben gelernt hatte. Schliesslich kannte er ihre Situation nun auch, war er doch mit ihr und den Kindern durch England nach Schottland gefahren, hat dabei auch ihren unfähigen und verlogenen Ex kennengelernt und die Fähigkeiten von Tanzie erkannt. Ed selbst ist ja auch kein Unschuldslamm. Was sollte also das Theater, um ein paar hundert Pfund, die er als stinkreicher Typ eh verkraften konnte?  Ein klärendes Gespräch hätte da doch schon mal gereicht, aber nein, man lässt die Frau noch nicht mal zu Wort kommen und haut gleich ab. Dass es nicht richtig war, was sie getan hatte, war Jess ja selber klar. Diesen Teil fand ich irgendwie etwas überzogen.
Auch gestört hat mich, als Ed endlich zu seinem im Sterben liegenden Vater ins Krankenhaus reist, es folgt ein klärendes Gespräch und danach fährt er einfach mit Jess und den Kindern weiter. Wenn es aber so schlimm um den Vater steht, würde ein Sohn doch an das Krankenbett zurückkehren ... das sind einfach so kleine Punkt, die vielleicht eine Sache der Interpretation sind, aber mich irgendwie gestört haben. Natürlich gibt es auch wunderschöne und berührende Momente in der Geschichte. Wie gesagt, das Buch hat mich irgendwie hin und hergerissen.


Mein persönliches Highlight?

Absolut genial fand ich den Moment, wie Ed in Aberdeen Brillen für Tanzie besorgt. Die Kleine ist ohne Lesebrille blind wie ein Maulwurf und ihre eigene ist kurz vor Ankunft in Aberdeen kaputt gegangen. Ohne die Brille hätte Tanzie keine Chance am Wettbewerb. Ed rast also in letzter Minute in die Stadt, entert ein Brillengeschäft und da er nicht weiss, ob das Mädchen weit- oder kurzsichtig war, kauft er kurzerhand das ganze Gestell leer, lässt die Brillen in eine Tüte verpacken und hetzt zurück zur Schule, wo man ihn zuerst natürlich nicht mehr reinlassen will. Hier eine kurze Textpassage aus dem Buch, wo Ed versucht Tanzie die Brillen zukommen zulassen:
"Wir haben drei ganze Tage und Nächte gebraucht, um hierherzukommen. Drei Tage, in denen mein wirklich sehr schönes Auto mit Erbrochenem beschmiert und der Polsterung von einem Hund unaussprechliche Dinge angetan wurden. Und ich mag Hunde nicht mal. Ich habe mit einer Fremden in meinem Auto übernachtet. Es war keine sehr bequeme Nacht. Ich musste mich an Orten aufhalten, an denen sich kein vernünftiger Mensch längere Zeit aufhalten sollte. Ich habe einen Apfel gegessen, der in den viel zu engen Hosen eines Teenagers gesteckt hat, und einen Döner, der nach meiner Überzeugung Menschenfleisch enthielt. Ich habe in London eine grosse, eine riesige persönliche Krise zu bewältigen und bin stattdessen mit Leuten, die ich nicht kenne - allerdings sehr netten Leuten -, fünfhundertachtzig Meilen gefahren, weil sogar ich begriffen habe, wie wichtig dieser Wettbewerb für sie ist. Lebenswichtig. Denn alles, was für dieses Màdchen zählt, ist Mathematik. Und wenn die Kleine keine Brille bekommt, mit der sie etwas sehen kann, bekommt sie keine faire Chance in Ihrem Wettbewerb. Und wenn sie keine faire Chance bekommt, verliert sie die Möglichkeit, auf eine Schule zu gehen, auf die sie wirklich unbedingt gehen muss. Und wenn das passiert, wissen Sie, was ich dann tue?"
Der Mann starrte ihn an.
"Dann gehe ich in diesen Raum und schnappe mir jedes einzelne Aufgabenblatt von den Schülern und reisse es in wzinzige Stücke. Und all das tue ich sehr, sehr schnell, sodass Sie keine Gelegenheit haben, den Wachschutz zu rufen. Und wissen Sie, warum ich das tun werde?"
Der Mann schluckte. "Nein."
"Weil all das einen Sinn gehabt haben muss."


Herrlich, findet Ihr nicht?

Wem würde ich das Buch empfehlen?

Allen, die den englischen Schreibstil und Geschichten von Underdogs, die sich immer wieder aufrappeln, mögen. Das Buch ist meiner Meinung nach kein Liebesroman, aber eine schön erzählte Geschichte, die zulesen sich lohnt, auch wenn vielleicht für einem selbst nicht alles schlüssig ist.

Viel Spass!

Alex

Sonntag, 19. Oktober 2014

Ein ganzes halbes Jahr

Titel: Ein ganzes halbes Jahr
Autor: Jojo Moyes
Verlag: Rowohlt Polaris
Seitenzahl: 519 Seiten
ISBN:9783499267031
Erhältlich: praktisch in allen Buchläden und Online Büchershops

Cover

Die Schlichtheit hat mich angesprochen und das Sujet mit dem Vogel, der wieder frei fliegen darf, passt perfekt zur Geschichte.

Klapptext des Buches

Louisa Clark weiss, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiss, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiss nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird - und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiss, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiss, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiss nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.


Wie hat mir das Buch gefallen?

Ich ging an das Buch mit sehr gemischten Gefühlen heran. Einerseits hatte ich davon gehört, dass es schlicht und ergreifend genial sei und einem zu Tränen rühre (selbst Männer ;o) ) und andererseits hasse ich Geschichten, die kein Happy End haben. Ich hasse es nicht nur, nein ich fürchte sie gar. Das Leben ist doch schon hart genug, da will Frau sich, wenn sie nach Unterhaltung sucht, nicht auch noch in Büchern das Elend anderer Leute reinziehen. Und trotzdem, da lag das Buch vor mir im Laden und ich konnte mich dem Cover einfach nicht entziehen und so habe ich schliesslich zugegriffen. Die Entscheidung bereue ich überhaupt nicht, das Buch hat mich gefesselt. Geheult habe ich allerdings nicht, ich war ja schon auf Tränen vorbereitet, daher konnte ich die gut runterschlucken. Für mich war das Buch allerdings nicht wie im Klapptext angekündigt eine Liebesgeschichte, sondern eine Geschichte über eine tiefberührende Freundschaft. Das Thema Sterbehilfe ist in der Geschichte zentral und meiner Meinung nach, hat Jojo Moyes es sehr einfühlsam angepackt. Sie hat beide Seiten beleuchtet, sowohl jene der Befürworter als auch jene der Gegner. Es ist ein sehr heikles Thema, aber ich denke, jeder sollte sich zwischendurch mal darüber Gedanken machen, was wäre, wenn er/sie in der Lage von Will stecken würde. Ich bin dankbar, es nicht zu sein, kann aber durchaus seine Entscheidung verstehen. Ob ich gleich entscheiden würde? Ich weiss es wirklich nicht. Einerseits denke ich, ja, das würde ich auch tun, aber wer weiss, wenn man dann wirklich in der Situation drinsteckt, sieht vielleicht alles nochmals ganz anders aus.
Mein Fazit zum Buch: All die Leser, die dieses Buch hochjubeln, haben sich nicht geirrt - es ist einfach wunderschön, genial geschrieben (mit einem bisschen englischem Charme, den ich ja so liebe) und es berührt das Herz.

Mein persönliches Highlight?

Es gibt sehr, sehr viele berührende Momente im Buch und auch solche zum Schmunzeln. Da ist es schwierig nur eine herauszupicken. Doch eine Szene, die den schwierigen Alltag im Leben von Will aufzeigte, ist mir jetzt grad als erstes eingefallen:
Lou möchte Will einen besonderen Tag bieten, um ihm zu zeigen, wie lebenswert das Leben noch sein kann und schleppt ihn daher auf ein Pferderennen. Der Tag geht völlig in die Hose, aber die Art wie es beschrieben ist, ist einfach herzergreifend. Man kann nach empfinden, wie es Menschen gehen muss, die einfach in ihrer Bewegung eingeschränkt sind und wie es Menschen geht, die bemüht sind, in das Leben derjenigen, wieder etwas Freude einzuhauchen, auch wenn das Schicksal gegen sie arbeitet.

Wem würde ich das Buch empfehlen?

Menschen, deren Vorrat an Taschentücher nicht gerade zur Neige geht. Menschen, die ein Nicht-Happy-End verkraften (ich hab's ja schliesslich auch geschafft *grins*). Menschen, die eine wunderschön geschriebene Geschichte über ein sensibles Thema zu schätzen wissen. Nicht empfehlen würde ich das Buch all jenen, die eine kitschige Liebesgeschichte oder gar Chick-Lit erwarten.

Viel Spass beim Lesen!

Alex